Gedanken zum Tod meiner Mutter
Diese Seite widme ich meiner geliebten Mutter, der ich sehr viel zu verdanken habe und die leider viel zu früh von uns gehen mußte. Aber die Leukämie war stärker, obwohl sie tapfer dagegen gekämpft hat und nun hat die Krankheit gesiegt.
Sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten war nicht einfach für mich, ihr Todeskampf dauerte sieben endlos lange Stunden. Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens, aber ich hoffe, daß ich ihr den Weg hinüber erleichtert habe.
Ich glaube fest daran, daß das Leben mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern das man in irgendeiner Form weiter existiert und ich sie eines Tages wiedersehe.

Mittwoch, den 16. Februar 2000,
07.00 Uhr morgens im Krankenhaus am Totenbett

Keinem Menschen möchte ich dies wünschen
Wie ich hier am Krankenbett sitze
Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf
Möchte ihr so gerne helfen
Aber mir sind die Hände gebunden
Gerade waren wir noch im Schutze der Nacht
Jetzt wird es langsam hell um uns
Wann kommt die Erlösung, ich frag mich wann
Für Sie, die wir sie lieben und auch für uns
Der Tod kann so gnädig sein
Wenn er doch endlich kommen würde
Ich habe nie zu glauben gewagt
Daß ich mal so auf den Tod warten würde
Gestern habe ich noch Angst gehabt
Und überlegt, was ich machen soll
Aber ich bin froh, daß ich hier sitzen darf
Um von ihr Abschied zu nehmen
Obwohl es faßt über unsere Kraft geht
Glaube ich, daß wir ihr helfen
In ein neues unbekanntes Land zu gehen
Denn eines weiß ich genau
Das Leben ist hiermit nicht zu Ende
Jetzt beginnt die Seele zu wandern
In eine wunderbare neue Welt
Ohne Schmerzen, ohne Leiden
Licht umgibt sie von allen Seiten
Sphärenmusik erklingt
Jede Sekunde wird sie bei uns sein
In unseren Gedanken und unseren Träumen

Verdammt, warum ist es so schwer
Loszulassen und sie gehen zu sehen
Ich habe Angst vor dem letzten Atemzug
Und doch erhoffe ich ihn jeden Moment
Ich sehne den Tod als Freund herbei
Damit er sie gnädig umhüllt
Und doch möchte ich ihn von mir weisen
Warum ist Abschied nehmen so schwer?

Sehnsüchtig warte ich auf dich
Obwohl ich dich nicht haben will
Ich möchte dich weit weg von ihr
Aber ich glaube, du hilfst ihr
Du deckst sie mit deinem Mantel zu
Und hilfst ihr zu Glückseligkeit
Ohne Leiden wird ihre Seele weiterleben
In der Unendlichkeit des Seins
Hol sie dir, es geht nicht anders
Ich kann nichts dagegen tun
Damit das Leiden endlich ein Ende hat
Und sie in Frieden ruhen kann
Nimm sie, wenn es nicht anders geht
So ist halt der Welten Gang
Die Menschen leben um zu sterben
Und einer stirbt, damit der nächste kommen kann.

Mittwoch, den 16. Februar 2000
Nachts bei meinem Vater

Du hast deinen Körper verlassen
Um in die Unendlichkeit einzugehen
Dieser Körper, der mich geboren hat
Ist gezeichnet worden durch den Verfall
Die Krankheit hat ihn gezeichnet für immer
Deswegen mußtest du ihn aufgeben
Es ist so schwer, dieses zu begreifen
Aber du hat dich von ihm gelöst
Um eins zu werden mit den Sphären
Die dich ab heute begleiten werden
Ich habe das Gefühl, daß du bei uns bist
Um unseren Weg für immer zu begleiten
In guten und in schlechten Tagen
Wirst du mit deiner Liebe bei uns sein
Es war so schwer, dich loszulassen
Weil wir dich noch gerne bei uns gehabt hätten

Ich habe es nie gewußt
Daß ich einmal so erleichtert sein werde
Wenn du aufhörst zu atmen
Ich habe deinen Kampf erlebt
Und von Anfang an gewußt
Daß er zum Scheitern verurteilt war
Weil deine biologische Uhr abgelaufen ist
Aber ich habe gehofft und gehofft
Und bei jedem deiner Atemzüge gebibbert
Daß es nicht der letzte war
Aber er ist nun doch gekommen
Und hat mir den Atem genommen
Aber irgendwie war ich auch erleichtert
Daß du nicht mehr leiden mußt
Auch wenn ich noch so traurig bin
Ich hoffe, du bist in einer besseren Welt.

Sitze auf deinem Platz im Wohnzimmer
Und denke über so vieles nach
Was war, was ist und was hätte sein können
Wenn du noch unter uns weilen würdest
Weißt du, daß ich dich beneide
Daß du alles hinter dich gebracht hast
Du hast das Leid hinter dir gelassen
Du bist lösgelöst von allem Irdischen
Ich bin traurig, daß du nicht mehr bei uns bist
Aber ich möchte so gerne bei dir sein
Weil ich dann bestimmt glücklicher wäre
Was ich auf dieser Welt nicht mehr sein möchte
Ich habe alles zerstört, was für mich zählte
Möchte bei dir sein in dieser Zeit
aber ich muß auf der Erde leben
und versuchen, mich selbst wiederzufinden

Ich sitze hier auf deinem Platz
Und warte, daß du zur Tür reinkommst
Und mit mir zu schimpfen
Daß ich immer noch so traurig bin
Möchte mir dir über alles reden
Möchte dir erklären, wie es war
Ich rede mit dir, als wärst du noch da
Bin sicher, du kannst mich hören
Und verstehen, daß ist für mich sehr wichtig

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