Die Geschichte einer Internetliebe,
die der Realität nicht standhielt

niedergeschrieben von IHR
begonnen Anfang November 1999

Irgendwann Anfang August, ich glaube, es war der 5., habe ich von meiner "Freundin" ein Chat-Programm, ICQ, bekommen. Sie hat es mir an diesem Nachmittag installiert und mich damit ein bißchen vertraut gemacht. Weil es ein englisches Programm war, brauchte ich ihre Hilfe. So konnte ich dann am Abend das erste Mal damit online gehen. Eigentlich habe ich vom Chatten nicht viel gehalten, wollte es aber einfach mal ausprobieren. Durch mein Englisch-Defizit habe ich mir einen Gesprächspartner gesucht, mit dem ich Deutsch reden konnte. Nach einigem Herumexperimentieren und Suchen habe ich dann jemanden in Peine gefunden, einen Deutschen. Habe ihn einfach angeklickt und war auf einmal mit ihm in Chat, obwohl ich gar nicht so recht wußte, wie ich das angestellt habe. Er war auch etwas überrascht, denn er sagte mir, daß es nicht so einfach wäre, in einen Chat mit ihm zu kommen. Aber irgendwie habe ich es einfach getan und wir haben etwas geredet, über dies und das und im Allgemeinen, was man halt so das erste Mal fragt und antwortet. "Wo kommst du her, was machst du, was hast du für Interessen?" Nach dem ersten Chat folgten mehrere, wir haben uns in einer virtuellen Stadt namens "Funcity" getroffen und die Abende im Chat wurden immer länger und länger. Es wurden Fotos ausgetauscht und viel geredet.
Nach kurzer Zeit haben wir festgestellt, daß wir sehr viele Gemeinsamkeiten haben. Die gleiche Musik (Peter Maffay,) die gleichen Bücher (Karl May, Perry Rhodan, Science Fiction) gelesen, beide Computerfreaks, wollten das gleiche Cabrio, Z3, usw. Der Abend im Chat begann immer mit der Frage: "Wie geht es Dir? Wie war Dein Tag?" Und dann haben wir uns gegenseitig erzählt, was wir getan haben. Zum Schluß kam dann noch die Frage: "Was machst du morgen?" Wir haben uns alles erzählt, was wir am Tage gemacht haben und war wir am nächsten Tag vorhaben.
Eines Abends hat er mir erzählt, daß am nächsten Wochenende ein Lichterfest in Bad Harzburg stattfindet und er würde sehr gerne dahin gehen, aber alle seine Freunde wären in Urlaub. Er hat mir dieses Fest so schön geschildert, daß ich richtig Lust hatte, es auch zu sehen. Daraufhin hat er mich gefragt, ob ich nicht mit ihm dahin gehen wollte. Ups, schon in diesem Moment wäre ich gerne hingefahren. Auf meine Frage, wo ich denn schlafen könnte, da ich ja an einem Tag nicht hin und zurück fahren würde, hat er geantwortet, du kannst in meinem Gästezimmer schlafen oder ich besorge dir ein Hotelzimmer. Aber da ich einige Probleme mit meiner Figur habe, ich fühlte mich einfach zu dick, war es ja auch, habe ich mir gedacht, so kannst du dich bei ihm nicht sehen lassen. Da habe ich Panik bekommen. Damals habe ich zwar schon angefangen, abzunehmen, komischerweise in dem Moment, nachdem wir uns kennenlernten, aber ich hatte einfach Angst, ihm gegenüber zu treten. Und habe einige Ausreden vorgeschoben, obwohl ich gerne mitgekommen wäre. Er hat es verstanden, war aber doch etwas geknickt und da habe ich mein erstes Gedicht geschrieben, das ich sehr gerne gekommen wäre und mit ihm dieses Lichterfest erlebt hätte.
Und wir haben sogar teilweise das gleiche gedacht und es geschrieben. Es war schon sehr ungewöhnlich. Wir haben uns nach nicht langer Zeit unsere geheimsten Gedanken und Sorgen anvertraut. Es war, als würden wir uns schon ewig kennen. Diese Vertrautheit, die da zwischen uns entstand, war wunderschön. Wir fingen an, uns gegenseitig unsere Träume zu erzählen und zusammen zu träumen. Von der Zukunft, vom Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, von Amerika, von Pegasus und vieles mehr. In dieser Zeit erzählte ich ihm von meinem großen Lebenstraum. Einmal nach Amerika, nach San Francisco oder Los Angeles, dann mit dem Auto nach Death Valley, Monument Valley, durch das Land der Indianer und das höchste, zum Grand Canyon und einmal mit dem Hubschrauber drüberfliegen. Er fand diesen Traum auch sehr schön und wir haben ausgemacht, daß wir dieses zusammen erleben wollen, im Frühjahr des nächsten Jahres.
Man konnte sich gegenseitig alles erzählen. Er legte den Arm um mich und ich konnte ihm von meinen Sorgen mit meinem Mann erzählen und er hat alles verstanden und mich gehalten. Ich habe ihm erzählt, daß ich mich mit meinem Mann nicht mehr verstehe und am liebsten ausziehen würde, eine eigene Wohnung und einen Job haben möchte. Den als erstes, weil ich ja sonst für alles andere kein Geld habe. Das ich schon lange einfach nicht mehr glücklich und zufrieden in meiner Ehe wäre. Nur mein Sohn hält mich noch zu Hause. Er hat mir zugehört und mir Mut gemacht, endlich mein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Und er hatte ja auch einige Probleme zu bewältigen. Seine Beziehung war gerade erst in die Brüche gegangen und er müßte wahrscheinlich das zusammen gebaute Haus verkaufen, weil er es allein nicht mehr halten konnte.
Dann haben wir Peter Maffay für uns entdeckt. Die Lieder "Ich will Dich", "Weil es dich gibt", und " So bist Du" wurden von uns immer wieder gespielt. Als er das Lied "So bist Du" für uns fand, sagte er, ich solle es mir anhören und denken, er singt es für mich. Wir haben nur noch Liebeslieder gehört. Ray Norton "Because, i love you" und andere mehr. Die Nächte gingen bis in den Morgen, die Sonnenaufgänge waren phantastisch zusammen. Die Müdigkeit hat uns zwar am Tage eingeholt, aber wir konnten einfach nicht voneinander lassen. Ich freute mich nur noch auf den Abend und den Chat mit ihm und sonst war da gar nichts mehr.
Zu dieser Zeit fing ich auch an, wieder Gedichte zu schreiben, was ich schon seit langer Zeit nicht mehr gemacht habe. Es wurden mit der Zeit Liebesgedichte daraus, die ich noch nie in meinem Leben geschrieben habe, aber es sprudelte einfach so aus mir heraus. Es kamen auch sehr wunderschöne Gedichte zurück. Und Karten, Blumen und vieles mehr. Jeden Abend kam eine Meldung, du hast Post oder ich habe was für Dich. Er hat Gedanken und Gefühle aus mir herausgeholt, von denen ich noch nicht einmal wußte, daß ich sie noch habe. Wie sagte er einmal: "Meine Gedanken locken deine hervor" und so war es auch. Zuerst sagte er nur, es ist nett, sich mit dir zu unterhalten, dann kam "ich mag dich". Später, an einem Samstagabend, er kam von einem Weinfest und hatte ein bißchen was getrunken, wurde er ehrlicher. Er sagte zwar, er wollte mir erst etwas sagen, wenn ich frei wäre, aber es kam einfach aus ihm heraus. Ich habe mich in dich verliebt, kam seine Meldung. Und ich habe ihm geantwortet, daß ich mich auch in ihn verliebt hätte und innerlich schon frei wäre. Er hat mich im Chat in die Arme genommen und ich kuschelte mich an ihn. Das fanden wir beide sehr schön.
Dann haben wir auch Buddyphone für uns entdeckt. Und haben das erste Mal versucht, über dieses miteinander zu sprechen. Es war ein komisches Gefühl, den anderen zu hören, aber ein sehr schönes. Da dieses aber nicht so richtig klappte, haben wir uns Voice-Mails über ICQ geschickt. Er hat mir gesagt, das es sehr schön wäre, sich jetzt mit der Stimme zu unterhalten. Das fand ich auch. Ich würde ihn sehr glücklich machen und es ist schön, mit mir zu reden, zu scherzen und zu träumen. Und die Voice-Mail:"Ich wünsche dir eine wunderschöne Nacht, schlaf schön, träum etwas ganz schönes, vielleicht auch von mir, ich gebe dir noch einen Gutenachtkuß, bis morgen." habe ich mir immer wieder angehört.
Danach haben wir dann das erste Mal richtig zusammen telefoniert. Mir war ganz mulmig dabei und ich wußte nicht so recht, was ich sagen sollte. Aber es war sehr schön, seine Stimme zu hören und ich glaube, da war es dann ganz um mich geschehen. Seine Stimme hat mich so fasziniert, sie war so....... ach, ich weiß nicht wie. Dann habe ich mir wieder ein Handy zugelegt und wir haben uns mindestens zweimal am Tag Nachrichten über das Handy geschickt.
Irgendwann haben wir darüber gesprochen, daß er öfters in letzter Zeit verschlafen hat und da bin ich auf die Idee gekommen, morgens kurz anzurufen und Weckdienst zu spielen. Es war sehr schön, kurz nach dem Aufwachen seine Stimme zu hören. Zuerst waren es nur ein paar Minuten, später haben wir am frühen Morgen immer länger geredet.
Als wir uns dann wiederholt darüber unterhalten haben, das wir uns jetzt doch endlich mal kennenlernen wollten, wurde wir beide immer ungeduldiger. Und es bestand nur die Möglichkeit, das ich zum ihm fahre, bei mir war es ja nicht möglich , weil ich noch nicht alleine lebe. Weil da ein Gefühl mit der Zeit entstanden war, was ich am Anfang einfach nicht einordnen konnte. Da merkte ich, daß dieses Gefühl immer stärker wurde und als er dann wieder fragte, wann ich denn endlich kommen würde, konnte ich nicht anders, als ihm zu sagen, ich komme am Wochenende. Obwohl er mich nicht gedrängt hat, sondern sagte, ich würde es schon wissen, wann es soweit wäre. Trotzdem hat mich diese Angst wegen meiner Figur nicht losgelassen. In dieser Zeit habe ich sogar angefangen, ins Fitnessstudio zu gehen, obwohl mir das vorher nie in den Sinn gekommen ist, weil ich für ihn attraktiv aussehen wollte und ein bißchen sportlich werden wollte, um alles mit ihm machen zu können. Und ich habe ihm dann gemailt, wie es ist. Und habe gebibbert und gehofft, daß es ihm nichts ausmacht, so wie ich bin und das ich noch weiter an mir arbeite. Und die Antwort war so überwältigend und verständnisvoll für mich, daß ich nur noch zu ihm wollte. Keine Frage mehr, wo ich denn schlafen könnte, es war einfach klar, in seinem Gästezimmer. Ich wußte soviel von ihm und er von mir und hatte unendliches Vertrauen, daß ich alle Warnungen in den Wind schrieb, von wegen, er wäre ja ein Fremder für mich usw. Auf einmal habe ich gemerkt, daß dieses Gefühl Liebe ist. Trotzdem konnte ich mir einfach nicht vorstellen, daß sowas über das Internet passieren kann, obwohl man sich gar nicht kennt und nur ein Bild hat. Aber es war halt so und ich fand es sehr schön.
In einem unserer letzten Chat's vor unserem Treffen hat er dann gesagt: "Ich liebe Dich" Er wollte es mir zwar erst sagen, wenn ich bei ihm wäre und es mir ins Ohr flüstern, aber es ging mit ihm durch. Und mit mir auch, weil ich ihn auch liebte und ich sagte es ihm. Wir waren beide sehr glücklich und konnten es gar nicht mehr abwarten, uns zu sehen und in die Arme zu nehmen. Er hat mich im Chat immer wieder in die Arme genommen, mir verliebt in die Augen gesehen und mich später ganz lieb gestreichelt und mir viele lange zärtliche Küsse gegeben.
Dann war es endlich soweit. Ich wollte zu ihm fahren. Am Samstagmorgen. Donnerstagabend hatte ich Krach mit meinem Mann und er sagte, ich sollte am liebsten schon am Freitag fahren, damit er seine Ruhe hätte. Dann habe ich ihn am Donnerstagabend im Chat gefragt, ob ich nicht schon am Freitagabend kommen könnte. Da hat er mit Freuden ja gesagt. Und ich habe Freitagmorgen schnell alles gepackt und vorbereitet. War an diesem Tag ganz schön aufgeregt und bin wie ein aufgeschrecktes Huhn durch die Wohnung gelaufen. Bin dann gegen 16.30 Uhr losgefahren und da war ich auf einmal ganz ruhig. Dann kam der große Stau. Ganze zwei Stunden ging es nicht vorwärts. Da ging mein Handy. Er hat mir soviel erzählt, über die Langeweile hinweg geholfen und Weckdienst gespielt. Als es dann endlich weiter ging, bin ich sogar im Dunkeln ziemlich schnell gefahren, weil ich es nicht mehr abwarten konnte. Dann ging wieder das Handy. Schon wieder ein Stau, wo ich abfahren mußte. Da hat er mir eine andere Abfahrt genannt und gesagt, ich solle mich dann melden, wenn ich da bin und er würde mich dann per Handy weiterleiten. Das war ok. Als ich dann auf der Abfahrt war, ging wieder das Handy. Ich habe ihn gefragt, wie er denn wüßte, daß ich gerade da war. Gedankenübertragung??? Ich weiß es nicht. Und dann Weiterleitung per Handy.
Und dann auf einmal: "Siehst Du die Tankstelle links, auf der anderen Seite stehe ich und warte." Ups, mein Herz rutschte in die Hose. Ich fuhr auf den Parkplatz, sah ihn da stehen und wollte eigentlich gar nicht aussteigen. Hatte solches Herzklopfen. Tat es dann aber doch, konnte ja nicht ewig im Auto sitzen. Es war ein eigenartiges und trotzdem auch schönes Gefühl, als ich ihm gegenüberstand. Fing sofort vor lauter Nervosität an zu plappern, über den Stau usw. Er sah mich nur an, streichelte ganz sanft meine Wange und nahm mich auf einmal in die Arme. Und ich ließ es geschehen, fühlte mich geborgen und glücklich. Hatte nur den einen Gedanken, laß mich nie mehr los. Wir rauchten eine Zigarette zusammen und ich fuhr dann hinter ihm her zu seinem Haus. Wir stiegen aus, gingen hinein und da merkte ich, daß ich doch ziemlich kaputt war vom Fahren. Er war so lieb, sagte: "setz Dich erstmal hin und ruhe Dich aus, ich mach uns was zu Essen." Es war so schön, verwöhnt zu werden, war es ja gar nicht mehr gewöhnt. Er hatte den Tisch gedeckt, sehr romantisch mit Kerzen und einem Glas Wein. Beim Essen schaute er mich immer ganz fest an, ich wußte gar nicht, wohin mit meinen Augen. Ich war ziemlich verlegen. Nach dem Essen setzten wir uns auf das Sofa, er legte Kitaro auf, setzte sich etwas gemütlich hin und breitete seine Arme aus. Und schwups, lag ich darin und wir träumten. Es war einfach alles so selbstverständlich, als wenn mein Leben erst in diesem Moment richtig anfing. Und dann der erste Kuss. Es war, als wäre ich wieder ein Teenager und habe mich einfach nur fallen gelassen. Es bedurfte keiner Worte, wir verstanden uns auch so. Der Abend wurde immer später, die Küsse immer mehr und länger und wir streichelten uns etwas. Dann kann die bange Frage: "wo möchtest du schlafen?" "Natürlich im Gästezimmer," habe ich gesagt. Obwohl ich schon da nicht mehr ganz so sicher war. Er hat es sofort akzeptiert und nicht gedrängelt. Wir gingen nach oben und haben mein Gästebett fertiggemacht. Dann standen wir noch eine ganze Weile vor meinem Bett und haben uns leidenschaftlich geküßt. Dann sagte er: "Am liebsten würde ich mit Dir im Arm einschlafen." Hätte ich auch am liebsten sofort getan, aber irgendwas hinderte mich, es waren vielleicht meine Hemmungen wegen meiner Figur. Dann ging er mit den Worten: "Wenn es dir zu unbequem wird, komm einfach rüber" und machte die Tür zu. Und ich mußte mich zwingen, nicht sofort hinterher zu laufen. Legte mich dann ins Bett und konnte lange nicht einschlafen. Habe immer wieder überlegt, ob ich rüber soll oder nicht. Darüber bin ich dann eingeschlafen.
Am nächsten Morgen hat er mich dann ganz zärtlich mit einigen Küssen geweckt und hat gesagt, das Frühstück ist fertig. Obwohl ich sonst eher ein Morgenmuffel bin, bin ich gleich aufgestanden, habe mich etwas fertig gemacht und bin dann zum Frühstücken heruntergegangen. Es war so schön gemütlich und dann mußte er sich zur Arbeit fertigmachen. Ein Kuß und dann war er weg. Ich habe noch lange am Tisch gesessen und vor mich hingeträumt. Dann bin ich in sein Schlafzimmer gegangen, habe mich auf sein Bett gelegt, es roch so gut nach ihm und in dem Buch "Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus" gelesen. Danach habe ich geduscht, mich fertig gemacht und bin nach Hannover gefahren, um ihn von der Arbeit abzuholen.
Als ich in seiner Abteilung war, kam er sofort zu mir und hat gesagt: "Ich habe eine Überraschung für Dich." Erstaunt fragte ich, welche? Da sagte er: "Wir müssen gleich zum Flughafen Hannover und ein Cabrio abholen." Ich habe ihm gesagt, das er verrückt wäre, aber ich fand es trotzdem wunderschön. Nachdem er seine letzten Kunden verabschiedet hatte, haben wir noch etwas im Möbelhaus gegessen und sind dann mit unseren beiden Autos zum Flughafen gefahren. Da haben wir dann festgestellt, daß wir ganz schön dumm sind, fahren mit zwei Autos ein Drittes abholen. Und nun ging die Fahrerei los. Zwischendurch haben wir noch etwas zum Essen fürs Wochenende eingekauft. Nach diesem Stress haben wir uns in ein Straßencafe gesetzt und etwas getrunken.
Danach schnell nach Hause, denn wir waren mit zwei befreundeten Paaren verabredet zum Eulenfest nach Peine. Nach dem Umziehen haben wir Betty und Peter abgeholt und dann waren noch Peter und Lydia da. Peter hat einen roten Z3, ließ es mir nicht nehmen und mußte einmal kurz auf dem Fahrersitz. WOW. Danach ging es zum Fest. Es war sehr schön, was gutes gegessen, was gutes getrunken und sehr viel schöne Musik gehört, Arm in Arm. Die ganze Zeit auf dem Fest haben wir uns verliebt an den Händen gehalten, so als wollten wir uns nie mehr loslassen. Als wir dann wieder bei ihm zu Hause waren, kam wieder die Frage: "Wo möchtest du schlafen?" Diesmal ist das Gästezimmer leer geblieben. Obwohl ich immer noch meine Hemmungen hatte. Aber ich konnte einfach nicht anders, ich mußte zu ihm. Mein Herz gehörte mir einfach nicht mehr. Habe mir ganz schnell unter die Decke verkrochen. Eine große für uns beide. Als er dann auf meine Bitte hin das Licht ausgemacht hat, habe ich nur noch den Wunsch gehabt, ihm ganz nahe zu sein. Und meine Prinzipien, schnell über Bord geworfen, weil ich einfach nicht anders konnte. Wir hatten ja so wenig Zeit für uns. Und es wurde sehr schön.
Am nächsten Morgen in seinem Arm aufzuwachen und ihn neben mir zu haben, war wunderschön. Alle anderen Gedanken waren ausgeschaltet, ich lebte nur noch für den Augenblick mit ihm. Meine Liebe wurde von Stunde zu Stunde stärker und intensiver. Ich war so glücklich und glaubte, das Glück für immer festhalten zu können. Nach dem Frühstück, das wir gemeinsam gemacht haben, wollten wir mit den beiden befreundeten Paaren und drei Cabrios in den Harz fahren und dann an einen See, um zu baden. Und da kamen wieder meine Hemmungen zum Vorschein. Wollte erst aus Angst gar nicht mit, bin dann aber überredet worden und ich fand es sehr schön. Es wurde ein unvergeßliches Erlebnis für mich. In einem Cabrio fahren, mit ihm als Fahrer und Peter Maffay hören, das war für mich das höchste Glück der Welt. Es war ein sehr schöner Tag. Er hat mir den Brocken gezeigt und dann haben wir an einem See ein Picknick gemacht. Als es dunkel wurde, ist es kalt im Cabrio geworden, haben aber trotzdem das Verdeck offen gelassen und haben lieber die Heizung voll aufgedreht. Danach haben wir noch bei Peter und Lydia Weintraubenlikör getrunken und sind dann nach Hause gefahren. Und haben gemeinsam gekocht, Hand in Hand, Stroganoff, selbstgemachte Spätzle. Nach dem Aufräumen und Spülen sind wir gemeinsam nach oben gegangen. Keine Frage mehr, wer wo schläft, es war ganz selbstverständlich. Es war sehr, sehr schön.
Am nächsten Morgen haben wir etwas länger geschlafen, gefrühstückt und dann haben wir, bzw. er, sich meinen Computer vorgenommen. Dann kam seine Ex-Freundin und hat großes Theater gemacht, weil ich in ihrem Zimmer geschlafen habe und meine Sachen dort waren. Aber dann ging sie wieder und wir waren wieder alleine. Da ist mir klargeworden, daß ich am liebsten überhaupt nicht mehr nach Hause wollte. Es war so heiß und ich hatte keine Lust, bei der Hitze stundenlang im Auto zu fahren. Hatte eine traurige Abschiedsstimmung. Da ist mir die Idee gekommen, einfach noch eine Nacht zu bleiben und am Dienstagmorgen zu fahren. Er zur Arbeit und ich nach Hause. Er war auch sofort damit einverstanden, daß ich noch etwas bleibe. Konnte mich einfach nicht trennen. Er mußte zwar noch zum Zahnarzt, aber das haben wir damit verbunden, als wir das Cabrio wieder abgeben mußten.
Die Fahrt zum Flughafen war die schönste meines Lebens. Mit offenem Verdeck über Landstraßen, die Sonne schien, es spielte Peter Maffay und er hielt beim Fahren meine Hand. Und als dann Peter Maffay sang: "ICH WILL DICH" haben wir beide mitgesungen und uns tief in die Augen gesehn. Gibt es etwas Schöneres auf dieser Welt???? Danach haben wir das Cabrio wieder abgegeben, mein Auto abgeholt und er wollte noch kurz zu Jürgen. Da bin ich schon mal nach Hause gefahren und habe wehmütig meine Sachen gepackt. Aber alles Schöne und Wunderbare ist auch leider mal zu Ende. Der Abend wurde noch sehr schön und die Nacht noch besser. Mein Vertrauen in ihn war so groß, daß ich alle meine Ängste über Bord geworfen habe. Und das war gut so, denn ohne wurde es noch viel schöner. "Heaven on earth" Ich habe mich einfach fallengelassen, wie ich es noch nie getan habe. Weil ich noch nie in meinem Leben so geliebt und gefühlt habe.
Am nächsten Morgen kam die Stunde des Abschieds. Nach dem Frühstück haben wir uns fertiggemacht, er mußte zur Arbeit und ich nach Hause. Ich war unendlich traurig. Ein Kuß, noch einmal in den Arm nehmen und dann war ich auf dem Weg nach Hause. Jede Faser meines Herzens wollte da bleiben, aber das war ja leider nicht möglich. Unterwegs habe ich mich erstmal ausgeweint, mußte sogar anhalten, weil ich nichts mehr gesehen habe. Danach folgten wieder ca. zwei Wochen im Chat. Wir haben von unserer großen Liebe gesprochen, von unserer gemeinsamen Zukunft, haben Karten geschickt mit den Worten "Ohne Dich ist alles so leer, jeder Tag ist verloren, an dem wir nicht zusammen sein können."
Das nächste Zusammentreffen fand in einem tollen Hotel statt. Er mußte an einem Sonntag mehrere Firmen besuchen und dann haben wir uns ca. in der Mitte der Strecke getroffen. War schon etwas früher im Hotel, habe mich eingecheckt und sehnsüchtig auf ihn gewartet. Als er dann endlich kam, war ich glücklich. Er war sehr kaputt von dem Herumreisen und wir hatten beide mächtig Hunger. Wir sind im Hotel schön Essen gegangen und dann wieder aufs Zimmer. Danach hat er sich aufs Bett gelegt und ist vor Übermüdung eingeschlafen. In dieser Zeit habe ich geduscht und mich umgezogen. Als er wieder munter wurde, habe ich seinen Nacken massiert und immer weiter gestreichelt. Das war sehr schön. Er hat es, glaube ich, auch sehr genossen. Und dann habe ich ihn zum Duschen geschickt. Die Nacht war wunderschön und sehr lang. Am nächsten Morgen haben wir gut gefrühstückt und sind dann in seinem Auto nach Bad Salzuflen gefahren. Sind dort durch die Stadt gelaufen, haben uns einiges angesehen und ich habe mir eine Tasche gekauft. Von dort sind wir noch ein bißchen durch die Gegend gefahren und anschließend zum Hotel zurückgefahren. Nachdem ich von ihm einige Bilder gemacht habe, kam wieder die Trennung. Ein Kuß, eine Umarmung und auch dieses Zusammentreffen war zu Ende. Wieder war ich ganz fertig und habe den halben Weg vor Trennungsschmerz geweint, so daß ich öfter anhalten mußte.
Bis ungefähr eine Woche vor meinem Geburtstag war noch alles in Ordnung. Aber dann fingen die ersten Schwierigkeiten an. Er hatte ziemlichen Streß auf der Arbeit und schickte mir am Samstag eine Mail, daß er hundemüde ist und sofort ins Bett gehen würde. Habe ich auch verstanden. War aber noch etwas länger online und habe ich dann zwei Stunden später auch noch online gesehen. Habe versucht, ihn zu erreichen, aber er meldete sich nicht bei mir. Das fand ich schon ein bißchen merkwürdig. Aber naja, dachte ich, er wird schon seine Gründe haben. Am nächsten Abend hat er so komische Messages geschickt, von wegen er hätte jemand anderes, der auf ihn aufpasst usw. Das hat mir natürlich gewaltig zu Denken gegeben. Auch die nächsten Tage verhielt er sich etwas eigenartig. Wir haben uns aber trotzdem für das Wochenende nach meinem Geburtstag wieder verabredet, ich wollte Freitag wieder zu ihm fahren. Am Abend vor meinem Geburtstag bekam ich um zwölf Uhr drei sehr schöne Geburtstagskarten von ihm. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Vorher hat er auch schon ein paarmal gefragt, was ich mir denn wünschen würde.
Am nächsten Abend nach meiner Geburtstagsfeier zu Hause bekam ich eine sehr traurige Mail. Er wäre gerne an meinem Geburtstag bei mir gewesen, aber vielleicht das nächste Mal. Und dann teilte er mir mit, daß er mit seinem Chef zu einer Messe an den Bodensee fahren müßte. Daraufhin bin ich mit meinem Handy in den Keller gegangen und habe ihn angerufen. Es tat ihm sehr leid, aber er müßte sofort ins Bett, weil er schon um vier Uhr wieder aufstehen müßte, weil die Fahrt sehr lang wäre. Habe ich alles verstanden, war aber sehr traurig, weil ich große Sehnsucht nach ihm hatte. Aber es war nunmal nicht zu ändern
Am nächsten Tag habe ich mich mit meiner "Freundin" im Cafe verabredet, wir haben viel gequatscht und gelacht und einen Einkaufsbummel gemacht. Dabei hatte ich schon die ganze Zeit ein eigenartiges und komisches Gefühl. Und siehat mich noch bestärkt, indem sie sagte, vielleicht ist er gar nicht auf der Messe. Da wurde dieses Gefühl immer stärker und irgendwann konnte ich nicht anders und habe ihn per Handy angerufen. Er sagte mir, daß er am Bodensee auf der Messe wäre und nicht viel Zeit hätte. Das habe ich natürlich verstanden. Daraufhin habe ich bei ihm auf der Arbeit angerufen. Und er war da!!!! Panik!!!!!! Oder war es andersrum? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, daß ich sehr traurig und enttäuscht war und mich immer wieder fragte, warum hat er mich angelogen. Ich konnte es einfach nicht verstehen. Bin durch die Wohnung gelaufen und habe die Welt nicht mehr verstanden.
Dann saß ich am PC und wartete. Auf einmal kam eine Mail mit der Aussage, daß ich ja schließlich wüßte, das er nicht zur Messe gefahren ist, weil seinen Chef etwas privates dazwischen kam. Was ihm ganz recht war, weil er noch so viel zu erledigen hätte. Daraufhin habe ich ihn gefragt, wieso er wüßte, daß ich weiß. Dies war mein erster Fehler. Dann kam eine Mail, wenn ich ihm etwas zu erklären hätte, sollte ich es per Mail tun, er wäre so kaputt und würde erst in zwei Tagen wieder online sein. Er wüßte, daß ich das nicht verstehen könnte, aber es wäre nun mal so. Daraufhin war ich völlig am Boden zerstört. Am gleichen Abend habe ich eine sehr lange Mail geschrieben, habe ihm meine Beweggründe aufgeschrieben. Am Samstag habe ich sie dann etwas überarbeitet und dann am Abend weggeschickt.
Am Sonntagabend kam dann seine Mail. Erstens würde ich in letzter Zeit zuviel an ihm klammern, er könnte ja gar nichts mehr alleine tun und ihm käme es so vor, als würde ich ihn in einen Käfig stecken und er möchte auch mal was machen, wozu er Lust hat, ohne tausend Erklärungen abgeben zu müssen. Deshalb hätte er mir das nicht im ICQ gesagt, weil ich dann wieder zigmal nachgefragt hätte und er immer wieder erklären müßte. Ich würde alles nur aus meiner Sicht sehen. Ich könnte nicht verstehen, daß er von der Arbeit kaputt nach Hause kommt und nur etwas abschalten möchte. Und zweitens wäre es ein sehr großer Vertrauensbruch gewesen, hinter ihm her zu telefonieren und es dann noch abzustreiten. Wenn ich bis zum Abend gewartet hätte, hätte er mir schon alles erklärt. Aber ich würde erstmal nur mich und nur meine Probleme sehen und dann eventuell viel später die anderen. Er wäre für mich Risiken eingegangen, die ihn fast das Leben gekostet haben. Weil er nicht nur einmal auf der Autobahn eingeschlafen ist. Aber das einzige was mich auch diesmal wieder daran interessiert hätte, wer kümmert sich jetzt um dich. Das er die Nacht auf Freitag fast nicht geschlafen habe und wieder voll im Stress steckt interessierte mich doch nicht, nur " warum hat er es MIR nicht mitgeteilt "Wenn ich vielleicht ab und zu auch mal den Blick in die andere Richtung wenden würde, würde ich vielleicht etwas mehr verstehen. Und immer wieder sagte ich, ich tue es für Dich. Das will er nicht und wollte es noch nie. Er habe mir immer gesagt, tu es für dich, wenn du es machen willst. Aber nein auch das mußte ich ihm auch noch aufdrücken. Das würde er nicht so einfach wegstecken und er ginge jetzt wieder zur Tagesordnung über.
Das hat mich vollständig umgehauen. Ich weiß, daß ich falsch gehandelt habe, aber er hat auch nicht das Richtige getan. Wir haben beide Fehler gemacht. So sehe ich das. Danach haben wir ein paar Tage nur noch über Belangloses geredet und keine Rede mehr von großer Liebe und keine Umarmungen mehr. Dann ging es auf das Wochenende zu und da hatten wir doch ausgemacht, daß ich zu ihm fahre. Wollte es ja auch gerne, aber hatte einfach nicht den Mut, zu fragen, ob es ihm recht wäre. Am Mittwoch war es dann soweit. Habe allen Mut zusammengenommen und gefragt. Wollte ja auch einiges klarstellen und ich fand, daß dies persönlich besser geht. Ich hatte zwar nicht hundertprozentig den Eindruck, daß es ihm ganz recht ist, aber ich durfte kommen. Am Donnerstag haben wir noch im ICQ gesprochen und uns ganz nett unterhalten. Habe sogar einen virtuellen Kuß bekommen. Da war ich schon wieder etwas happy und hoffte.
Also bin ich dann am Freitag mittag losgefahren und war schon um ½ sechs Uhr in Peine. Bin noch ein bißchen in der Stadt rumgelaufen und dann zu ihm gefahren. Hatte zu Hause schon Essen, Chili con Carne, gekocht und mitgenommen. Nach einer kurzen Begrüßung, ein kleiner Kuß, haben wir zu Abend gegessen. Er war sehr fertig von der Arbeit und sehr müde. Haben noch ein bißchen geredet und er war sehr enttäuscht, daß ich keinen Federweißen mitgebracht habe, weil ich es doch versprochen hatte. Es hörte sich so an, als wenn ich schuld daran wäre, obwohl die Verkäuferin den Federweißen einfach verkauft hatte. Danach haben wir den Einkaufszettel für den nächsten Tag fertig gemacht und sind sehr früh zu Bett gegangen. Nachdem ich ein paar Minuten im Bad verbracht habe, lag er schon in seinem Bett und war eingeschlafen. Da war ich doch ein bißchen enttäuscht und konnte lange nicht einschlafen.
Aber am Morgen sah die Welt schon wieder etwas besser aus, dachte ich. Er hat etwas Unsinn gemacht und ich habe ihm Eier mit Speck gebraten. Wir haben dann gefrühstückt und er mußte zur Arbeit. Weil er mir sagte, daß Haus müsse in Ordnung sein, weil die Käufer am Nachmittag kommen, habe ich dann aufgeräumt, ein bißchen saubergemacht, Staub gesaugt usw. und bin dann zum Einkaufen gefahren. Dann habe ich den Zwiebelkuchen und Speckkuchen vorbereitet. Obwohl ich keinen Zwiebelkuchen mag und noch nie einen Hefeteig gemacht habe, habe ich mich doch darangetraut. Nur um ihm einen Gefallen zu tun.
Als er von der Arbeit nach Hause kam, es war nur eine sehr kurze Begrüßung, hat er den Kamin angemacht und dann kamen auch gleich die Käufer des Hauses und ich ging daran, den Hefeteig zu machen. Nachdem ich den Vorteig fertig hatte, habe ich ihn vor den Kamin gestellt, weil er doch warm stehen sollte. Da war auch wieder nicht richtig. Ich sollte ihn doch in den Backofen stellen, er hätte doch eine Garstufe. Konnte aber leider nicht damit umgehen, weil dieser so kompliziert ist. Naja, ist ja trotzdem was geworden. Als die Käufer endlich weg waren, hat er noch eine Zwiebelsuppe gekocht und dann sind auch gleich Betty und Jürgen gekommen. Es war ein ganz eigenartiger Abend. Ich hörte ein paarmal die Bemerkung, mach es so oder so. Ich hatte immer das Gefühl, ich könnte ihm nichts recht machen. Nachdem Betty und Jürgen gegangen waren, hat er sich auf die eine Couch gesetzt und Musik gehört und ich saß auf der anderen Couch und habe nach einiger Zeit ein paarmal gefragt, ob er etwas hätte. Er hat es immer wieder verneint. Dann habe ich mich zu ihm auf die andere Couch gesetzt und habe mich an ihn angekuschelt. Aber es kam keine Reaktion zurück. Nachdem es schon ziemlich spät war, ich glaube, so gegen ½ drei Uhr, sind wir dann zu Bett gegangen. Er hat sich in sein Bett gelegt und gleich auf die andere Seite gedreht. Da habe ich nicht mehr gewußt wohin mit meiner Liebe und habe gefragt, ob ich ein bißchen kuscheln dürfte. Und ich durfte. Als dann von ihm nichts rüberkam, habe ich die Initiative ergriffen und ihn versucht, zu verführen. Nach einigem Zögern von ihm, vielen Streicheleinheiten von mir und noch einiges mehr wurde es doch noch eine sehr schöne Nacht. Ich habe alle meine Hemmungen hinter mich gelassen und habe nur noch das gemacht, wonach mir der Sinn stand und was ich für richtig und wunderbar hielt. Es war so schön und überwältigend, daß ich das Gefühl hatte, das mich eine gewaltige Explosion zerreißt und ich mit ihm den Himmel auf Erden erlebe. Habe noch nie so intensiv und elementar gefühlt. Für mich war und ist es die große Liebe meines Lebens. Danach habe ich wieder sofort einen Dämpfer bekommen. Es wäre ja schon so spät geworden.
Am nächsten Morgen sind wir etwas später aufgestanden, haben gefrühstückt und waren dann mit Betty und Jürgen, Peter und Lydia zum Mittagessen verabredet. Nach diesem Essen fuhren wir zurück und sind noch etwas spazierengegangen, wie zwei Fremde nebeneinander her. Nach unserer Rückkehr hat er dann doch noch von meinem Geburtstagskuchen gegessen, den ich extra für ihn mitgebracht hatte und den Rest haben wir dann eingefroren. Danach hat er sich auf die Couch gelegt, weil er müde war und ich habe mich zu ihm auf den Boden gesetzt und wir haben noch ein bißchen geredet und dann kam ich mir wieder sehr überflüssig vor. Er ist dann später nach oben in sein Büro gegangen und hat für mich und R... die CD von Kitaro gebrannt. Und ich saß unten im Wohnzimmer und habe Musik gehört. Eine sehr eigenartige Situation. Dann später bin ich doch nach oben in sein Büro gegangen, weil er mit dem Cover nicht klar kam und habe ihm geholfen. Später habe ich ihn im Wohnzimmer noch den Nacken massiert und dann sind wir ins Bett gegangen, weil es schon wieder so spät war. Ich durfte mich in seinen Arm legen und dann sind wir eingeschlafen.
Am nächsten Morgen sind wir sehr früh aufgewacht und er hat gefragt, was wir mit dem angefangenen Morgen machen sollten. Er wurde auf einmal etwas zärtlich und ich habe es genossen. Das war aber auch wieder nicht richtig. Er stand auf einmal auf und sagte, ich hätte vergessen, ihm zu sagen, daß der Mülleimer rausgestellt werden müßte. Er hätte es mir am Abend vorher gesagt, ich sollte ihn daran erinnern. Und das hätte ich nicht getan. Also wieder ein Vorwurf. Nachdem er wieder ins Bett kam, habe ich einen Versuch gestartet, zärtlich zu ihm zu sein. Aber es kam leider gar nichts rüber. Er sagte mir, ich hätte bei seinem Versuch auch nicht reagiert. Am Abend vorher hat er das gleiche gemacht, aber wenn zwei dasselbe tun, ist es noch immer nicht das gleiche. Also war ich wieder die Schuldige. Danach haben wir gefrühstückt und ich habe meine Sachen gepackt und wollte sie ins Auto bringen. Er war in der Zwischenzeit im Bad. Ich habe meinen Kofferraum nicht aufbekommen und bin nach oben gegangen und habe ihn gefragt, ob er mir helfen könne. Da habe ich nur die Antwort bekommen: "Was soll ich denn da machen?" Habe aber dann nach einigen Probieren den Kofferraum selber aufbekommen, alles verstaut und habe mich dann verabschiedet. Es gab nur einen flüchtigen Kuß und als ich sagte, er solle mich noch einmal in den Arm nehmen, es müßte ja jetzt wieder für lange reichen, hat er es zwar getan, aber es kam mir so vor, als wenn ihm das nicht ganz recht war.
Kurz vor meiner Abfahrt habe ich ihn dann noch gefragt, ob er mir das Geld für den Einkauf, den ich ja für ihn gemacht habe, geben könnte. Ich kam mir wie ein Bettler vor, aber ich brauchte es für Benzin. Denn ich habe nicht so viel Geld zur Verfügung, mein Konto war restlos überzogen und es gehört ja auch nicht mir alleine. Jedesmal habe ich, um zu ihm zu fahren, mein letztes Geld zusammengekratzt. Aber aus Liebe tut man unendlich viel, um bei dem geliebten Menschen sein zu können.
Es gab aber noch etwas, was mich an diesem Wochenende sehr traurig gemacht hat und zwar, das er kein Wort über meinem vergangenen Geburtstag verloren hat. Ein Geschenk habe ich ja gar nicht erwartet, aber wenigstens einen nachträglichen Glückwunsch, einen Geburtstagskuß oder etwas ähnliches. Auch als ich ein paarmal erwähnte, daß ich einen Geburtstagskuchen mitgebracht habe, kam keine Reaktion. Da war ich doch ein bißchen enttäuscht.
Die Fahrt nach Hause hat etwas länger gedauert, weil ich da schon gemerkt habe, das etwas nicht in Ordnung ist und ständig anhalten mußte, weil mir die Tränen über das Gesicht gelaufen sind und ich mit meinen Nerven auch nicht auf gutem Fuß stand. Jedesmal, wenn ich zu ihm gefahren bin, habe ich Peter Maffay gehört. Diesmal habe ich noch nicht mal das Radio angemacht, weil ich es einfach nicht mehr hören konnte. Seitdem spiele ich Peter Maffay nicht mehr. Als ich dann Montag abend zu Hause ankam, habe ich eine Nachricht auf Handy gesendet, daß ich gut angekommen bin. Daraufhin kam gar keine Reaktion. Dann war er am Montag und Dienstag nicht online oder wollte von mir nicht gesehen werden, das weiß ich nicht.
Am Mittwoch habe ich ihm dann eine Anzeige über ein Arbeitsangebot geschickt und dann haben wir wieder ein bißchen geredet. Er hat mir gesagt, daß er ganz schön fertig ist und einen großen Berg abtragen müsse. Da habe ich ihn gefragt, ob ich ihm helfen könne und wir vielleicht gemeinsam Lösungen finden könnten. Mal sehen, hat er gesagt. Auch am Donnerstag haben wir eine ganze Zeit geredet und dann kam die Rede auf das, was alles zerstört hat.
An diesem Abend im ICQ habe ich ihm gesagt, daß ich endlich hier zu Hause mit meinem Mann reden wollte, weil ich ja weg wollte und mir eine eigene Wohnung und Arbeit suchen wollte und da habe ich ihm gefragt, ob ihn das ein bißchen freuen würde. Mal sehen, weiß ich im Moment noch nicht so recht, ist ein bißchen viel vorgefallen in der letzten Zeit, war die Antwort. Ich habe gefragt, ob es an mir liegt. Daraufhin sagte er: ich weiß nicht recht ob ich das glauben soll......hast du am Wochenende auch gesagt und mich kurz danach versucht zu hintergehen.
Und dann kam der Satz: Sag mir die Wahrheit.
Da mußte ich ihm etwas beichten, was ich aus meiner falschen Vorstellung und aus zu großer Liebe getan habe und bat ihn um Verständnis und sagte ihm, das es mir unendlich leid tut, was ich getan habe und mich selbst nicht mehr verstehen kann. Daraufhin kam gar nichts mehr über ICQ. Am gleichen Abend, es war schon sehr spät, habe ich dann eine lange Mail geschrieben und ihm alles noch mal genau erklärt, warum ich es gemacht habe und mal wieder auf andere gehört, was mir mit Sicherheit nie mehr passieren würde. Am nächsten Morgen habe ich ihn trotzdem geweckt und nach meiner Frage, ob er mich ein bißchen verstehen kann und verzeihen kann, konnte er mir noch keine richtige Antwort geben. Er hat mir aber gesagt, daß er von meiner "Freundin" einen Tip bekommen habe. Das konnte ich irgendwie nicht richtig verstehen. Habe sie sofort daraufhin angesprochen und sie hat alles abgestritten. Wem soll ich glauben? Im Zweifelsfalls natürlich ihm.
Die Mail habe ich dann aber erst am nächsten Abend abgeschickt. Kurze Zeit später kam dann dies: "Hallo, vielleicht kann ich Dich verstehen, aber billigen kann ich es nicht. Du hast mir sehr weh getan. Du hast das Band, was uns verband zerschnitten und Deine Unaufrichtigkeit hat die Liebe in meinem Herzen getötet. Kannst Du das verstehen ???? Es ist nur noch etwas Freundschaft da, weil ich Dich so sehr geliebt habe. Wenn Dir das für einen neuen Anfang reicht........Nur mehr kann ich Dir im Moment nicht geben......ich habe da ja auch noch genügend andere Probleme zu lösen, die mich im Moment sehr belasten und meine Tage verdüstern. Ich bin heute sehr traurig und enttäuscht. Bis bald ciao"
Danach war ich am Boden zerstört. Mein Gedanke, man kann doch nicht einfach so alles wegwerfen, wenn es wirklich Liebe ist. Und habe dann eine Mail zurückgeschickt:
"Hallo Jens, ich bin heute auch sehr sehr traurig und enttäuscht und zwar von mir selber. Ich versuche, Dich zu verstehen. Es fällt mir sehr schwer, zu glauben, was ich lese, aber ich muß es wohl akzeptieren und damit versuchen, fertig zu werden. Es wird nicht leicht sein, weil ich Dich immer noch so sehr liebe und es nicht so einfach abstellen kann. Wenn ich Dir bei Deinen Problemen helfen kann, würde ich es immer noch gerne tun, wenn Du es willst. Vielleicht ist Deine Freundschaft ein neuer Anfang, ich hoffe es. Ich kann meine Gefühle einfach nicht abstellen. Du hast gesagt, daß ich unaufrichtig war. Das ist richtig, aber ich habe es nur getan, weil ich Angst hatte und auf R.... gehört habe. Und nun habe ich alles zerstört. Es tut mir so leid. Ich bin so durcheinander, ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Habe heute zwei Menschen verloren, eine sehr große Liebe (die größte meines Lebens) und eine Freundschaft. Und das tut doppelt weh, die erste am meisten. Ich habe lange mit ihr gesprochen, ich weiß nicht, was ich davon halten soll, sie hat alles abgestritten. Sie will nur mein Bestes. Vielleicht hat sie es nur getan, weil sie sich in ihrer Verzweiflung so sehr an mich geklammert hat und mich nicht verlieren wollte, weil ich in Deiner Nähe sein wollte. Wir haben ja beide eine ähnliche Vorgeschichte. Aber wenn ich mich entscheiden müßte, wem ich glauben soll, würde ich mich immer für Dich entscheiden. Ich bin furchtbar von ihr enttäuscht und werde auch morgen nicht mit nach Yethro Tull gehen, weil ich einfach nicht kann. Erstens nicht will und zweitens es im Moment nicht ertragen kann. Ich weiß nicht, wie ich das verkraften soll und damit zu leben ist noch viel schwerer. Ich glaube und das muß ich einfach noch loswerden, daß das Band vielleicht noch nicht ganz zerrissen ist. Denn das Gedicht habe ich gestern morgen geschrieben, als ich noch nichts wußte. Ich war den ganzen Tag so voller Traurigkeit und habe irgendwie geahnt, daß noch was Schlimmes passieren wird. So, ich muß erst damit fertig werden, daß der Sinn meines Lebens sich in Luft aufgelöst hat. Bis bald"
Am Abend vorher, bevor das alles passiert ist, habe ich ein Gedicht geschrieben, welches ich "Traurigkeit" genannt habe. Ich hatte wohl so eine Art Vorahnung, daß etwas sehr schlimmes passieren wird. Und es ist eingetreten. Seitdem bin ich nicht mehr Dieselbe. Habe dann am nächsten Tag eine furchtbar lange Mail geschrieben, weil ich mir einfach mal alles von der Seele schreiben mußte:
"Hallo, habe mir einige Gedanken gemacht: Ich fühle mich zwar sehr schuldig und ich versuche, Dich zu verstehen, aber liegt es wirklich nur an mir alleine?????? Du hast Dich meines Erachtens auch manchmal nicht ganz richtig benommen. Nicht, daß ich Dich kritisieren will, daß steht mir nicht zu. Ich finde, wir hatten viel zu wenig Zeit im realen Leben, um aufeinander zuzugehen, uns zu verstehen und uns richtig kennen zu lernen. Wir wollten alles auf einmal. Wir haben uns zwar beim Chatten sehr viel gesagt, aber es ist doch etwas anderes als im wirklichen Leben. Da ist zwar eine wundervolle Liebe entstanden, aber ich empfinde es jetzt so, daß sie der Realität nicht standgehalten hat. Oder haben wir nur falsch reagiert? Als die ersten Schwierigkeiten auftauchten..............Und Probleme sind doch dazu da, daß man sie bewältigt, oder? Dabei habe ich fest daran geglaubt, nach unserem ersten wunderschönen Wochenende, daß wir das, was zwischen uns entstanden ist, immer festhalten können. Wir sind beide wohl zu sehr vorbelastet und wir haben das, obwohl wir gesagt haben, wir tun es nicht, m.E. in unsere Beziehung, die, wie ich glaubte, am Anfang stand, mit eingebracht. Weil wir beide vielleicht eben noch nicht ganz frei waren, ich meine, Du auch nicht. Vielleicht äußerlich, aber nicht innerlich und bei mir war es anders rum. Liege ich da vielleicht richtig? Du sagst, ich habe die Liebe in Deinem Herzen getötet. Was ist mit meiner Liebe? Wenn du sagst, du hast mich so sehr geliebt, kann man das so einfach wegwerfen und zur Tagesordnung übergehen? Eine große Liebe kann man nicht so einfach töten, wenn sie groß genug ist. Dann kann sie einiges verkraften, ohne gleich zu sterben. Oder es zumindest versuchen. Meine kann es. Für mich war einfach wichtig, daß du für mich da warst. Und ich glaube, wenn man so liebt, kann man auch verzeihen. Meines Erachtens wirft Du die Flinte zu schnell ins Korn. Auch das Band ist noch nicht ganz zerbrochen. Jedenfalls von meiner Seite aus. Ich habe das Gefühl, daß Du, wenn Schwierigkeiten auftreten, und die treten in jeder Beziehung auf, zu schnell aufgibst, anstatt daran zu arbeiten und fast keine Möglichkeit mehr offen läßt. Ich bin eine eigenständige Persönlichkeit und ich dachte, du könntest mich so annehmen, wie ich bin, denn alles, was wir miteinander geredet haben, war absolut ehrlich. Bis ich auf einmal mehr auf andere gehört habe, als auf meine Gefühle vertraut. Und das ist gar nicht gut für uns gewesen. Aber ich kann auch nicht aus meiner Haut, so wie Du auch nicht. Ich kann nur immer wieder versichern, daß ich nicht wollte, daß es so gekommen ist und es mir unendlich leid tut. Und das mir so etwas mit Sicherheit nicht mehr passieren wird. Ich habe immer versucht, Dich zu akzeptieren und habe immer wieder Entschuldigungen für Dich gefunden und Dich immer in Schutz genommen und versucht, Dich zu verstehen. Habe alles mitgemacht, mit Deinen Freunden, obwohl ich manchmal lieber mit Dir alleine gewesen wäre, mit Dir geredet, geträumt und Dich besser kennen und verstehen gelernt hätte. Du hast einmal gesagt, wir sollten immer das Träumen nicht vergessen. Ich habe Fehler gemacht und das nicht zu knapp, aber sind sie nicht auch dazu da, daß man sich mit Ihnen beschäftigt und versucht, sie aus der Welt zu schaffen und sie zu verarbeiten?? Ich habe Dir alles geglaubt, was Du gesagt hast und tue es heute noch. Mir wurde gesagt, ich wäre viel zu leichtgläubig, zu naiv, zu oberflächlich. Vielleicht bin ich das auch, aber ich sehe immer nur das Gute im Menschen. Bin auch noch nie damit auf die Nase gefallen und deswegen glaube ich weiter, auch wenn jemand mir das ausreden wollte. Außerdem wurde mir gesagt, ich sollte mich nicht in irgendwas verrennen, mit Liebe allein kann eine Beziehung nicht lange überleben, meine Träume wären nicht wahr...... Habe versucht, mir nichts davon anzunehmen, ich glaube, es ist mir nicht ganz gelungen, aber ohne Liebe und Zuneigung ist die Welt doch hoffnungslos. Habe heute mit meiner alten Freundin (kenne sie schon aus Kindertagen) sehr lange gesprochen und sie hat mir gesagt, mein großer Fehler ist, daß ich ein verwöhntes Einzelkind bin und fast immer ging alles nach meiner Nase. Diesmal bin ich zum ersten Mal darauf gefallen und zwar gewaltig. Sie hat mir vor ein paar Wochen, als ich ihr von uns erzählt habe, mir geraten und es auch aus meinen Äußerungen entnommen, daß ich gar keine andere Wahl habe, als mit Dir zusammen zu kommen, weil ich so fest von Dir überzeugt war. Du hast mir so viel Schönes gegeben, im virtuellen und auch im realen Leben. Wie soll ich das jemals vergessen? Ich weiß nicht, ob ich das kann. Werde es aber müssen. LEIDER!!!!!! Ich glaube auch immer noch, wenn wir uns beide Mühe geben würden und auch mal Fehler zugeben und verzeihen, denn keiner ist fehlerlos, hätten wir vielleicht eine Chance, noch etwas aus unserer Liebe zu machen. Sie ist so behutsam und gleichzeitig so gewaltig in unser Leben getreten, daß Du sie nicht einfach so wegwerfen solltest. Denn was geschehen ist, ist doch nur aus dieser Liebe entstanden. Ich habe ganz am Anfang gesagt, erinnerst Du Dich, wegen des Lichterfestes, als ich nicht kommen wollte, du weißt warum, "Ich möchte Dich nicht verlieren, bevor ich Dich gefunden habe." Hatten wir uns schon richtig gefunden??? Ich weiß es nicht, wir standen doch noch am Anfang. Du hast immer sehr schöne und große Worte für mich gefunden, hast mich spüren lassen, daß ich etwas ganz Besonderes bin, was ich als sehr schön empfunden habe und dafür bin ich Dir dankbar. Du bist auch für mich etwas ganz Besonderes, ich habe noch nie jemandem solche Gedichte geschrieben und so viel von mir erzählt, es ist einfach so aus mir herausgesprudelt, weil Du da warst und mir zugehört hast. Wie hast du mal in einem Gedicht gesagt: "Mein offenes Herz ist der Schlüssel zu Deinem Herzen. Meine mitgeteilten Gedanken locken Deine Gedanken hervor. Meine Worte geben Dir Sprache. Wenn ich echt bin, kannst Du es auch leichter sein. Wenn wir unsere Wunden zugeben, können wir einander heilen." Und so war es auch, Deine Gedanken haben meine geweckt. Und mein Herz ist ganz allmählich zu Deinem übergelaufen. Es hat mich verlassen und will einfach nicht mehr zurück. Ich glaube nicht, daß es sich jemals davon erholen wird. Ich habe mich auch noch nie in einer Beziehung so sehr aufgegeben wie bei Dir, sonst war ich immer der dominante Teil. Und ich fand es wunderbar, mich endlich auch mal anlehnen zu dürfen und mich fallen zu lassen. So, ich glaube, jetzt habe ich mir vieles von der Seele geredet und bin jetzt sehr erleichtert. Obwohl die Traurigkeit mich noch umhüllt und auch die Helligkeit am Horizont sich wieder in eine Finsternis verwandelt hat und Pegasus hat die Schwingen eingezogen und möchte nicht mehr zu den Sternen fliegen, er ist flügellahm geworden und wartet auf eine neue Chance. Und die Unendlichkeit des Seins ist einer endlichen Weite gewichen. Ich werde versuchen, freundschaftlich auf Dich zuzugehen und diese Möglichkeit hast Du ja noch offengelassen, obwohl ich immer noch viel mehr als Freundschaft empfinde, es ist bestimmt nicht einfach für mich, so zu tun, als wenn nichts gewesen wäre, aber ich werde mir Mühe geben. Ich hoffe, daß ich nicht zuviel Blödsinn geschrieben habe und Dir vielleicht einiges etwas klarer geworden ist. Noch nie habe ich jemanden meine Gefühle so offen dargelegt wie Dir. Es ist einfach so aus mir herausgesprudelt und ich denke, daß Du es ordnen kannst, denn ich habe eine sehr hohe Meinung von Dir. Ich werde immer zu Dir halten, egal was kommt, weil ich davon überzeugt bin, das es richtig ist. Vielleicht habe ich einige Dinge falsch interpretiert und vom verkehrten Standpunkt aus gesehen, oder sehe es wieder mal nur aus meiner Sicht, wie Du gesagt hast, dann lehre mich, es anders zu sehen. Es lag vielleicht auch daran, daß Du sehr viele Probleme zu bewältigen hast und ich nicht richtig auf Dich eingegangen bin, aber die habe ich auch. Ich weiß es nicht. Ich hoffe, du verstehst mich nicht falsch. Es ist leider fast wieder ein Roman geworden, wollte es eigentlich nicht. Vielleicht hast Du ein bißchen Zeit, es in Ruhe zu lesen und über einiges nachzudenken, ich würde mich freuen und auch über eine Reaktion von Dir. Bis bald ciao"
Diese Mail habe ich dann am Samstag Abend abgeschickt. Und wie verrückt auf eine Reaktion von ihm gewartet. Ich mußte bis Sonntag Nacht warten. Habe den ganzen Abend online gesessen und gebibbert. Dann kam er endlich, als ich schon fast aufgeben wollte, es war schon 2.53 Uhr. Ein einfaches Hallo und ich habe heute viele lange Mails bekommen, weil es schon so "früh" ist, beantworte ich sie morgen. Daraufhin habe ich zur Antwort gegeben, ist ok, aber morgen bin ich nicht mehr zu erreichen. Nach der Frage, warum, sagte ich, ich setz mich ab. Danach: "waassss, erzähl" und ich antwortete: " ich fahr erstmal weg". Und schwups, waren wir im Chat. Ich habe ihm erzählt, daß ich zu meiner Cousine nach Föhr fahren will, um etwas Abstand zu gewinnen und alles zu verarbeiten, weil ich ziemlich fertig bin. Er hat gesagt, das würde wie eine Flucht aussehen. War es wahrscheinlich auch, aber ich habe es zu Hause nicht mehr ausgehalten. Er hat mir erzählt, er wäre in seiner Höhle gewesen und deshalb noch hier. Das hat mich zwar ein bißchen gefreut und weil es schon so spät oder früh war, bin ich erst einen Tag später zu Jutta gefahren.
Aber auf Föhr ging es mir auch nicht besser. Bin oft bei jedem Wetter am Strand lang gelaufen und konnte einfach an nichts anderes denken. Die Insel ist so schön, aber ich habe einfach nichts aufgenommen und die Schönheit nicht gesehen, weil mir immer wieder die Tränen übers Gesicht gelaufen sind. Ich mußte immer etwas zu schreiben bei mir haben, weil ich meine Gedanken und Gefühle zu Papier bringen mußte. Es war mir ein inneres Bedürfnis. Und das tue ich immer noch. Nach den paar Tagen Insel ging es mir aber leider immer noch nicht besser. Habe mir unendlich viele Vorwürfe gemacht, mir allein die Schuld gegeben und damit werde ich nicht fertig. Warum habe ich nur so einen Blödsinn gemacht? Kann mich selber nicht mehr verstehen. Aber seine Reaktion, gleich alles hinzuwerfen, hab ich auch nicht verstanden. Jetzt sieht er alles aus seiner Sicht, wenn er zum Problem wird, geht er. So hab ich es gesehen. Und das macht mir zu schaffen. Ich kann meine Gefühle einfach nicht abstellen, dafür habe ich zuviel investiert.
Nach meiner Rückkehr fing ich an, die Geschichte unserer Liebe aufzuschreiben und sehr viele Gedichte, mußte einfach meine Gedanken aufschreiben, ob es mir geholfen hat, ich weiß es nicht, es hat mir aber sehr gut getan. Habe mich in dieser Zeit in mein Schneckenhaus zurückgezogen und niemanden mehr an mich rangelassen. Habe keine Musik mehr gehört, Peter Maffay schon gar nicht mehr, und alles andere hat mich auch nicht mehr interessiert. Nur er war noch wichtig für mich. Alles andere existierte nicht mehr und hatte keine Bedeutung mehr. Und die Gespräche wurden immer weniger im ICQ und über Telefon schon gar nicht mehr. Ich hatte ja auch seine neue Telefonnummer nicht, er war ja inzwischen umgezogen und er meldete sich auch telefonisch nicht bei mir. Und die SMS-Nachrichten auf Handy blieben auch aus. Nur wenn ich was geschrieben habe, kam meistens eine Antwort. Kurz und bündig.
Was war passiert? War das, was ich getan habe, der einzige Grund, um sich so zurückzuziehen. Er hatte doch Freundschaft versprochen. Aber es kam fast gar nichts mehr rüber. Er ist auch nicht mehr so oft online oder will von mir nicht mehr gesehen werden. Ich weiß es nicht. Und das stimmte mich unendlich traurig. Obwohl ich mich zurückhalten würde. Auf meine letzten Mails, die ich vor langer Zeit geschrieben habe, ist bis heute, wir haben schon April, keine Antwort gekommen. Es ist halt so einfach und bequem, alles zu ignorieren. War wohl doch alles nicht so, wie es den Anschein hatte. Habe gedacht, man kann über alles reden. Aber es rede nur ich. In unseren Chats hat er so viel gesagt, was er aber jetzt nicht tut. Aber es zu schreiben und es auch zu tun, sind eben zweierlei Dinge.
Inzwischen habe ich im ICQ eine Chatpartnerin kennengelernt, mit der ich mich sehr gut angefreundet habe. Nach einiger Zeit habe ich festgestellt, daß sie auch aus Peine kommt. Welch ein Zufall. Irgendwann haben wir dann beschlossen, uns gegenseitig zu besuchen. An einem Wochenende im Januar bin ich dann am Freitag zu ihr gefahren und am Samstag bin ich dann ins Möbelhaus gefahren, um ihn zu besuchen. Ich mußte es einfach tun. Er war natürlich ganz erstaunt, als ich auf einmal da war, haben eine Zeitlang über Belangloses geredet und als ich gefragt habe, ob er am Abend etwas Zeit für mich hat, sagte er, er müsse zu seiner Mutter fahren, weil sie krank ist. Hab ich ja verstanden, ich war ja so unverhofft da, er hat gesagt, wenn ich vorher Bescheid gesagt hätte.... Aber es war halt nicht mehr zu ändern. Bin dann kurz vor Feierabend gegangen. "Machs gut", ein Händedruck und das wars. Ich weiß nicht. Aber wenn man gewollt hätte, wäre vielleicht am nächsten Tag vor meiner Abfahrt noch etwas Zeit gewesen. Hätte noch einige Fragen gehabt und gerne noch ein bißchen geredet. Er hat ja meine Handynummer. Aber mein Handy blieb stumm.
Bis heute, wir haben inzwischen Mitte April, reden wir immer noch im Chat miteinander, über dies und das, über seine HP usw., wenn er sich mal im ICQ sehen läßt und nicht inkognito ist. Aber niemals mehr über uns, unsere Gedanken und unsere Lebensumstände. Auch mit den Tod meiner Mutter
mußte ich alleine fertig werden, habe zwar einen Hilferuf gestartet, aber auch da war fast nur Stille. Ich hätte gerne mal mit ihm darüber geredet, mich ein wenig trösten lassen. Früher haben wir uns unsere Probleme erzählt und uns gegenseitig geholfen. Aber das ist leider vorbei und das stimmt mich unendlich traurig.
Hätte mich gerne mal mit ihm richtig ausgesprochen, es stehen noch so viele Fragen meinerseits offen, aber.............. es kommt einfach nichts mehr rüber. Kann man wirklich so schnell alles vergessen und abhaken? Ich kann es nicht und habe immer noch damit zu kämpfen.
Das Ende einer großen Liebe?????????
Die noch gar nicht richtig begonnen hatte.

11. April 2000


Januar 2006
Es ist viel Zeit vergangen und man sagt, die "Zeit heilt alle Wunden". Ich weiß nicht, wer das behauptet hat, aber es trifft nicht immer zu. Jedenfalls bei mir nicht. Es tut nicht mehr so weh wie am Anfang, aber es gibt Dinge, über die man nie ganz hinwegkommt und das ganze restliche Leben bestimmen. Es gibt immer wieder Momente, durch die man wieder erinnert wird und alles kommt wieder hoch, z.b., wenn man von alten Bekannten aus dieser Zeit angesprochen wird.
Heute sehe ich dies alles mit anderen Augen und ich gebe mir nicht mehr alleine die Schuld. Ich weiß, wem ich das alles verdanke, die meinen Gedanken vergiftet hat (nicht nur meine, sondern auch seine) und mich Dinge hat machen lassen, die nicht zu mir passten und mir das Liebste und Wichtigste in meinem Leben genommen hat. In dieser Zeit danach war ich dem Tod näher als dem Leben, hatte mit allem abgeschlossen und habe mich abgekapselt. In meinen Gedanken. in denen sich soviel Hass und Wut aufgestaut hatte, wollte ich Schicksal spielen und zuerst sie und dann mich ins Reich der Toten befördern, nur war ich leider zu feige dazu. Aber viel hat nicht gefehlt. Denn unter Freundschaft verstehe ich nicht, das man das Leben des anderen zerstört, nur um seiner selbst willen.
Heute habe ich eine Mauer um mich herum aufgebaut und bin sehr vorsichtig geworden, wem ich meine Freundschaft schenke und wem ich vertraue. Durch mein Abkapseln von der Welt habe ich keine Freundschaft mehr gepflegt und nun ist fast niemand mehr da. Und ich will nicht wieder enttäuscht werden, denn das könnte ich nicht mehr ertragen.
Mein Leben danach ist nicht mehr das, was ich einmal geführt habe. Meine Werte sind anders geworden und ich habe mich verändert, ob es gut oder schlecht ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ich lebe mein Leben so gut es geht und ich es kann, obwohl es nicht leicht ist.
Früher habe ich gelebt, heute existiere ich nur noch.

Wer weiß, was das Leben noch für mich bereit hält, nur eines weiß ich bestimmt, jemanden so zu lieben werde ich nicht mehr können, denn dies geschieht nur einmal im Leben, denn eine große Liebe ist einmalig.

Aber die Erinnerung an die schönste Zeit meines Lebens kann mir niemand nehmen und ich werde davon zehren bis an mein Lebensende.

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